Ich bin selbstgewählte Vollwaise. Familiär einsam. Kein Netz.
Und habe sehr viel unsichtbare Gewalt erfahren.
Ich habe lange nach Gründen gesucht. Gewalt hingenommen, da ich keine Gründe sehen konnte und es final, vermeintlich nur an mir liegen konnte. Ich habe oft das Gespräch gesucht. Wollte verstehen und meine und damit unsere Situation verbessern. Es gab keine Antworten. Das einzige was folgte war die häufig auftauchende Zuordnung „Du bist wie der Assi-Alte“.
Nach vielen Jahrzehnten war ich es leid, nach Liebe und Aufmerksamkeit zu betteln. Der Fußabtreter für deren unbearbeiteten Gefühlen zu sein. Deren Traumas abzubekommen. Deren, für andere unsichtbare Gewalt, hinzunehmen. Es war keiner da der mich beschützte. Ich musste es selbst tun.
Ich habe der permaneten, für andere unsichtbare, Gewalt etwas entfliehen können.
Mit dieser Entscheidung habe ich mich nicht nur von Mutter und Schwester getrennt. Dabei musste ich bewusst auch den Verlust an meinem Bruder, Cousine und Nichte in Kauf nehmen. Denn wenn Mutter und Schwester der Überzeugung sind, dass der Himmel lila ist, drehen, belügen und manipulieren sie an der Welt und ihren Geschichten, sodass deren Umwelt überzeugt davon ist, das der Himmel lila ist. Ich habe keine Chance die Realität sichtbar machen zu können.
Es ist sehr beeindruckend. Mit welcher Berechnung und schauspielerischen Talent, deren Stücke aufgeführt werden. Sie setzen sich perfekt in Szene. Selbst wenn Du nicht anwesend bist oder warst, schaffen sie es, mit Hilfe ihrer eigens geschriebenen Skripte, Dich als die Hauptverursacherin deren gesamtes Leides zu kreieren. Du bist Schuld für Dinge, die sie inziniert haben. Du bist undankbar für Dinge die sie ungefragt getätigt haben. Das alles in solch Perfektion, mit Schutz des Prestige, dass jeder sich blenden lässt.
Wenn keiner sieht, glaubt auch keiner
Meine Kämpfe waren und sind noch immer sehr einsam.
Neben diesen Schmerzen, kam noch der Schmerz hinzu, nicht gesehen zu werden. Relativierung zu erfahren, weil schwer gesehen wurde. Loyalität gab es zu meiner Seite nicht. Ich manipuliere nicht. Ich lüge nicht. Und ja, Mutter, unsere Weltanschauung ist sehr verschieden. Das hattest Du mir vor vielen Jahren in einem Brief geschrieben, um Dich erneut von Deiner Schuld, Verhalten und Verantwortung frei zu sprechen.
Diese Gewalt wird/kann nicht bestraft werden. Wie kann man mit solch Ungerechtigkeit leben?
Stille
Jeder Ratgeber und jede Therapeutin rät, bei Trauma, Gewalterlebnissen, Trauer zu reden.
Ich war lange still. Habe sehr lange darüber nicht geredet. Ich war damit sehr lange allein. Auch heute fühl ich mich damit einsam. Nicht allein aber einsam. Seit einigen Jahren habe ich vier wundervolle Menschen um mich, Dir mir glauben, die mich hören, die mich sehen.
In unserer Familie – 1. Ebene – existierte diese, für die in 1. Ebene anwesenden – offensichtliche Gewalt nicht. Zumindest wurde und wird darüber nicht gesprochen. Es gäbe keine Kapazität dafür und es ist nur „Gewäsch“ und bringt nichts. Bis hin zur Leugnung.
Wenn Dinge für Menschen nicht sichtbar sind, sind sie auch nicht real.
Wenn ich mich Menschen, in wenigen Versuchen, mitgeteilt habe, über die mir widerfahrenen unsichtbaren Gewalt, wurde mir nicht geglaubt, mir wurden meine Empfindungen abgesprochen oder Situationen/Handlungsweisen wurden relativiert. Denn ja, Unsichtbares ist unsichtbar.
So viele Menschen, haben mir, mit deren Relativierung, Leugnung, Blendung durch Schauspiel meiner Mutter und Schwester, Wegschauen und Absprechen zusätzliche Gewalt angetan. Und tun es auch aktiv noch heute. Dazu zählen Lehrerinnen, Schülerinnen, Ex-Freunde, Ex-Kollegen/innen, ehemalige Freunde …
Mir wurden unter anderem psysische Krankheiten zugeschrieben (angewandt im negativen Kontext), als Ursache für meine vermeintlichen Behauptungen.
Denn es ist zu absurd zu glauben das solch eine Gewalt in dieser Familie stattfand und stattfindet. Nur damit das eigene Weltbild bestehen bleib? Schauspielerische Leistungen weiter gefrönt werden können und man den eigenen Blickwinkel nicht verlassen muss?
Ja, all die Gewalt ist und war absurd. Dennoch existiert sie.
Erneut erfuhr ich eine andere Art und somit zusätzliche Gewalt.
Irgendwann hörte ich auf zu reden. Ich hörte auf daran zu glauben gesehen zu werden. Ich hörte auf zu glauben das mir jemand glaubt. Ich rede nicht mehr. Ich vertraute nicht mehr. Ich lernte schnell, dass ich die Einzige bin, die für mich da ist und die die Wahrheit anerkennt.
Loyalität war für mich nicht vorgesehen.